Rückenschmerzen
Wann Rückenschmerzen harmlos sind – und wann sie ein Zeichen für etwas Behandlungsbedürftiges sind.
Was sind Rückenschmerzen?
Rückenschmerzen sind eines der häufigsten Gesundheitsprobleme weltweit – etwa 80 % aller Menschen sind mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Medizinisch unterscheidet man zwei grundlegende Formen:
- Unspezifische Rückenschmerzen (ca. 85 %): Keine klar nachweisbare organische Ursache. Oft durch Muskelverspannungen, ungünstige Körperhaltung oder psychosoziale Belastungen ausgelöst.
- Spezifische Rückenschmerzen (ca. 15 %): Klare anatomische Ursache, z. B. Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose, Fraktur, Tumor oder Infektion. Diese Form erfordert gezielte Diagnostik und Behandlung.
Die Unterscheidung ist entscheidend: Spezifische Rückenschmerzen mit neurologischen Symptomen gehören zum Aufgabenbereich der Neurochirurgie.
Typische Symptome
Nicht jede Form ist gleich – je nach Lokalisation und Schweregrad zeigen sich unterschiedliche Beschwerden.
Lokalschmerz
Schmerzen im Bereich der Lenden-, Brust- oder Halswirbelsäule, die auf die betroffene Region begrenzt bleiben.
Ausstrahlende Schmerzen
Schmerzen, die ins Bein (Ischialgie), in die Leiste (Femoralgiebereich) oder in den Arm ausstrahlen – meist Zeichen einer Nervenwurzelreizung.
Neurologische Symptome
Kribbeln, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche – diese Symptome weisen auf eine Nerven- oder Rückenmarkbeteiligung hin und müssen abgeklärt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Eine präzise Diagnose ist die Voraussetzung für die richtige Behandlung. Wir nutzen:
Ausführliche Anamnese (Charakter, Ausstrahlung, Dauer, Red Flags) · Neurologische Untersuchung · MRT bei Verdacht auf spezifische Ursache oder Red Flags · Röntgen / CT bei Frakturverdacht · Laborwerte bei Verdacht auf Infektion oder Tumor
Behandlungsmöglichkeiten
Kein Eingriff ohne Notwendigkeit – keine Entscheidung ohne Ihre Zustimmung. Wir beginnen immer mit dem schonendsten, wirksamen Ansatz.
Bewegungstherapie & Physiotherapie
Aktive Übungen sind bei unspezifischen Rückenschmerzen die wirksamste Maßnahme. Rückenschule, gezielte Kräftigung der Rumpfmuskulatur und Mobilisierung. Bettruhe verlängert die Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig: entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR: Ibuprofen, Diclofenac), bei starken Muskelverkrampfungen Muskelrelaxanzien für wenige Tage. Keine Langzeit-Opioidtherapie ohne klare Indikation.
Periradikuläre Therapie (PRT)
Bei radikulären Schmerzen mit nachgewiesener Nervenwurzelreizung: gezielte Kortison-Infiltration direkt an den betroffenen Nerv. Kann eine OP in vielen Fällen abwenden.
Bandscheiben-OP (Mikrodiskektomie)
Bei Bandscheibenvorfall mit anhaltenden neurologischen Ausfällen oder nach frustranem konservativen Verlauf – präzise Entfernung des komprimierenden Gewebes unter dem Mikroskop.
Dekompression bei Spinalkanalstenose
Operative Erweiterung des verengten Wirbelkanals (Laminektomie/Laminotomie), ggf. mit Spondylodese bei Begleitinstabilität.
Stabilisierung (Spondylodese / ISG-Verschraubung)
Bei Instabilität der Wirbelsäule (Spondylolisthese) oder gesicherter ISG-Dysfunction als Schmerzursache.
Unspezifische Rückenschmerzen bessern sich bei den meisten Menschen innerhalb von 4–6 Wochen von selbst. Das Risiko einer Chronifizierung steigt, wenn Bewegung gemieden wird, psychosoziale Belastungen bestehen oder die falsche Behandlung gewählt wird. Spezifische Rückenschmerzen mit früh erkannter und richtig behandelter Ursache haben eine sehr gute Prognose.
Was Patienten uns oft fragen
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