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Erkrankung

Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose ist eine Verschleißenge des Wirbelkanals. An der Lendenwirbelsäule macht sie schwere Beine beim Gehen, die im Sitzen besser werden; an der Halswirbelsäule kann sie das Rückenmark bedrängen. Behandelt wird, was im Alltag einschränkt — oft ohne Operation.

Auch bekannt als: Wirbelkanalstenose, Spinalstenose, lumbale Spinalkanalstenose, zervikale Spinalkanalstenose, Neuroforamenstenose, Foramenstenose, Claudicatio spinalis, enger Spinalkanal

Körperregion: Halswirbelsäule, Lendenwirbelsäule

Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Kanals, in dem Rückenmark und Nervenwurzeln verlaufen. Sie entsteht langsam durch Verschleiß und ist im höheren Lebensalter verbreitet — auf dem Bild häufiger als in den Beschwerden. Diese Seite erklärt die Enge an der Lendenwirbelsäule mit ihrem typischen Zeichen, der kurzen Gehstrecke, und die Enge an der Halswirbelsäule, bei der das Rückenmark im Spiel ist.

Eine Enge im MRT ist kein Behandlungsgrund. Behandelt wird das, was Sie im Alltag einschränkt — und das lässt sich in vielen Fällen ohne Operation lindern.

Was ist das?

Der Wirbelkanal wird von Wirbelkörpern, Bandscheiben, den kleinen Wirbelgelenken und dem gelben Band begrenzt. Nutzen sich diese Strukturen ab, wachsen sie in den Kanal hinein, und der Platz für die Nerven schrumpft. Je nach Ort spricht man von einer zentralen Stenose (der Hauptkanal), einer Recessusstenose (die seitliche Nische, in der die Wurzel abzweigt) oder einer Neuroforamenstenose (das Austrittsloch der Wurzel zwischen zwei Wirbeln).

An der Lendenwirbelsäule bedrängt die Enge die Nervenwurzeln zu den Beinen, an der Halswirbelsäule zusätzlich das Rückenmark selbst; die Folge heißt Myelopathie. Im Alter ist die Enge häufig zu sehen: Bei etwa 20 bis 30 von 100 Menschen über 60 Jahren zeigt die MRT eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule, aber nur etwa jeder Fünfte davon hat deswegen Beschwerden.

Welche Beschwerden treten auf?

Das Leitsymptom der lumbalen Enge heißt Claudicatio spinalis. Beim Gehen und Stehen werden die Beine schwer, taub oder schmerzhaft, oft beide, oft vom Gesäß abwärts. Nach einer bestimmten Strecke müssen Sie anhalten — und Stehenbleiben allein hilft nicht, Sie müssen sich setzen oder vorbeugen. Viele kennen den Einkaufswagen, auf den man sich stützt und plötzlich weiter kommt. Radfahren geht oft problemlos, weil die Wirbelsäule dabei gebeugt ist.

Sitzt die Enge im Nervenaustrittsloch, zieht ein einseitiger Schmerz wie ein Ischias ins Bein, im Stehen und Gehen schlimmer, im Sitzen besser — dem Bandscheibenvorfall ähnlich, aber langsam entstanden und meist im höheren Alter.

Die zervikale Enge macht entweder Wurzelschmerzen in den Arm, wie beim Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, oder die leisen Zeichen der Myelopathie: ungeschickte Hände, unsicherer Gang, steife Beine, ein Gefühl wie auf Watte, spät auch Störungen der Blase.

Ursachen

Alles beginnt mit der Bandscheibe. Verliert sie Höhe, rücken die Wirbel zusammen, die kleinen Gelenke werden überlastet und reagieren mit Verdickung und Knochenanbauten, das gelbe Band faltet sich in den Kanal; manchmal gleitet ein Wirbel zusätzlich nach vorn. Jede Veränderung für sich ist harmlos, ihre Summe ergibt die Enge. Am häufigsten betroffen ist die Etage L4/5, an der Halswirbelsäule C5/6 und C6/7.

Wie wird es festgestellt?

Die wichtigste Information ist Ihre Geschichte: Wie weit können Sie gehen, was passiert dann, was hilft? Die Untersuchung in Ruhe ist bei der lumbalen Enge oft unauffällig — das ist typisch. Wir prüfen Kraft, Gefühl und Reflexe an den Beinen, die Hüften und die Fußpulse, denn eine Durchblutungsstörung macht ähnliche Beschwerden beim Gehen: Dort hilft Stehenbleiben allein, Bergauf ist schlimmer, und die Pulse fehlen. Im Zweifel klärt eine Gefäßuntersuchung; auch Hüftarthrose und Nervenschäden bei Diabetes können täuschen.

Die Kernspintomografie zeigt die Enge und ihre Ursache. Sie ist sinnvoll, wenn die Beschwerden den Alltag einschränken und eine Behandlung davon abhängt — nicht als Routine. Bei Verdacht auf eine Myelopathie gehören eine neurologische Untersuchung und gegebenenfalls elektrische Messungen der Nervenbahnen dazu. Die Begriffe in Ihrem Befund erklärt die Seite zum MRT-Befund.

Warnzeichen

Die lumbale Enge ist fast nie ein Notfall. Ausnahmen sind eine Taubheit im Bereich von Gesäß und Damm, eine neue Störung von Blase oder Darm und eine Lähmung, die rasch zunimmt. An der Halswirbelsäule gilt: Eine Gangunsicherheit oder Ungeschicklichkeit der Hände, die innerhalb von Wochen schlechter wird, gehört zügig abgeklärt, auch ohne Schmerzen. Mehr dazu auf der Seite Warnzeichen.

Konservative Behandlung

Bei der lumbalen Enge steht die Behandlung ohne Operation im Vordergrund, und sie lohnt sich, weil die Beschwerden über Jahre häufig stabil bleiben. In einer Beobachtung über drei Jahre besserten sie sich bei etwa 30 von 100 Betroffenen, blieben bei etwa 50 von 100 gleich und nahmen bei etwa 20 von 100 zu.

  • Bewegung — Gehen in dem Maß, das möglich ist, Radfahren, Aquagymnastik. Nicht schonen.
  • Physiotherapie — Übungen, die die Beugung fördern und den Rumpf kräftigen, entlastende Haltungen, Gehtraining.
  • Schmerzmittel — entzündungshemmende Mittel für begrenzte Zeit, im höheren Alter mit Blick auf Nieren, Magen und andere Medikamente.
  • Gezielte Injektionen (PRT, epidural) — unter Bildkontrolle an die eingeengte Wurzel oder in den Kanal. Sie können Schmerzen für einige Wochen lindern; die Enge selbst verändern sie nicht. Diese Behandlung bieten wir in unserer Praxis an.
  • Multimodale Schmerztherapie — kann in Betracht kommen, wenn Schmerz und Einschränkung sich verselbstständigt haben.

Wann eine Operation erwogen wird

An der Lendenwirbelsäule kommt eine Operation infrage, wenn die Beschwerden über Monate anhalten, die Gehstrecke so kurz ist, dass der Alltag leidet, und die Behandlung ohne Operation ausgeschöpft ist — oder wenn Kraft und Gefühl nachlassen. Die Enge im Bild muss zu den Beschwerden passen. Zeitdruck gibt es nicht: Wer mit seinen Einschränkungen leben kann, darf abwarten; wer sie nicht mehr hinnehmen will, darf sich operieren lassen.

An der Halswirbelsäule ist die Lage anders, sobald das Rückenmark betroffen ist. Bei einer Myelopathie mit deutlichen oder zunehmenden Ausfällen wird zur Operation geraten, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern; bei milden, stabilen Zeichen ist auch eine engmaschige Beobachtung vertretbar. Was bereits verloren ist, kehrt nicht immer zurück — deshalb wird hier eher früher als später entschieden.

Operative Möglichkeiten

Das Grundprinzip heißt Dekompression: Den Nerven wird Platz gemacht, indem entfernt wird, was sie einengt. An der Lendenwirbelsäule geschieht das mikrochirurgisch, durch einen kleinen Zugang und unter Erhalt der tragenden Strukturen. Diesen Eingriff bieten wir an. Nur bei nachgewiesener Instabilität — etwa einem Wirbelgleiten — wird zusätzlich eine Versteifung mit Schrauben und Stäben erwogen, die wir ebenfalls anbieten; als Routine ist sie nicht angezeigt.

  1. AblaufIn Vollnarkose und Bauchlage werden über einen kurzen Schnitt am Rücken unter dem Mikroskop Teile des Wirbelbogens, das verdickte gelbe Band und die einengenden Gelenkanteile entfernt, bis Nervenwurzeln und Nervensack frei liegen. Der Aufenthalt umfasst meist wenige Tage.
  2. RisikenAllgemein Infektion, Nachblutung, Thrombose und Narkoserisiken. Eingriffsspezifisch: eine Verletzung der Nervenhaut mit Austritt von Nervenwasser; selten eine Nervenschädigung mit Gefühlsstörung oder Schwäche; eine spätere Instabilität; eine erneute Enge durch Narbe oder Verschleiß; und die Möglichkeit, dass die Beschwerden nur teilweise nachlassen. Bei einer Versteifung kommen Schraubenfehllage, ausbleibende Knochenheilung und stärkere Abnutzung der Nachbaretagen hinzu.
  3. NachbehandlungAufstehen am Tag nach der Operation, Gehen von Anfang an. Für einige Wochen kein schweres Heben. Physiotherapie und Gehtraining, sobald die Wunde es erlaubt; nach einer Versteifung langsamer und mit Kontrollröntgen. Die Gehstrecke bessert sich häufig rasch, Kraft und Gefühl langsamer.

An der Halswirbelsäule wird die Enge je nach Lage von vorn — mit Entfernung der Bandscheibe und Einsetzen eines Platzhalters, was wir anbieten — oder von hinten behandelt; Verfahren, bei denen der Wirbelbogen entfernt oder aufgeklappt wird, können bei Engen über mehrere Etagen in Betracht kommen. Ziel bei der Myelopathie ist, das Rückenmark zu entlasten und eine Verschlechterung aufzuhalten.

Alternativen

Die wichtigste Alternative ist das Weiterführen der Behandlung ohne Operation, mit realistischem Ziel: nicht die Enge beseitigen, sondern mit ihr möglichst weit gehen können. Ein Rollator ist keine Kapitulation, sondern ein Vorbeugen auf Rädern, das die Gehstrecke oft erheblich verlängert. Wenn Ihnen zu einer Operation geraten wurde, können Sie bei uns eine Zweitmeinung einholen.

Wie es weitergeht

Die lumbale Enge schreitet meist langsam fort, und bei vielen Menschen bleibt sie über Jahre auf einem Stand, mit dem sich leben lässt. Nach einer Operation berichten viele Patientinnen und Patienten über eine längere Gehstrecke; ein Teil der Beschwerden kann bleiben, und der Verschleiß an anderen Etagen geht weiter. Prüfen Sie selbst: einmal in der Woche dieselbe Strecke gehen und darauf achten, ob sie kürzer wird; an der Halswirbelsäule Knöpfe schließen und mit geschlossenen Augen stehen. Wird etwas davon schlechter, melden Sie sich.

Häufige Fragen

Wird eine Spinalkanalstenose immer schlimmer?

Nein. Die Enge im Bild nimmt mit dem Alter zu, die Beschwerden aber nicht zwangsläufig. Bei vielen bleiben sie über Jahre gleich, bei manchen bessern sie sich.

Muss bei der Operation versteift werden?

Meist nicht. Die Entlastung allein ist der Standard; eine Versteifung kommt hinzu, wenn das Segment instabil ist oder ein Wirbel gleitet. Wurde Ihnen eine Versteifung empfohlen, fragen Sie nach dem Grund.

Was bedeutet „Myelopathiesignal“ im Befund?

Eine Signalveränderung im Rückenmark selbst, die auf eine Schädigung durch Druck hinweist. Dieser Befund gehört zeitnah ärztlich beurteilt, auch bei geringen Beschwerden — kein Fall für den Rettungsdienst, aber ein Grund, nicht Monate zu warten.

Quellen

  1. DGOU: S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz, AWMF-Registernummer 187-059, 2024.
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Spinalkanalstenose im unteren Rücken; Eine Spinalkanalstenose ohne OP behandeln; Spinalkanalstenose: Wann kommt eine Operation infrage?, Stand August 2023.
  3. Kreiner D. S. et al. (North American Spine Society): An evidence-based clinical guideline for the diagnosis and treatment of degenerative lumbar spinal stenosis (update). The Spine Journal 13 (7), 2013.
  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Zervikale spondylotische Myelopathie, AWMF-Registernummer 030/052, Stand 2017 (Gültigkeit abgelaufen).
  5. Fehlings M. G. et al.: A Clinical Practice Guideline for the Management of Patients With Degenerative Cervical Myelopathy. Global Spine Journal 7 (3 Suppl), 2017.
  6. Deutsche Gesellschaft für Angiologie: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, AWMF-Registernummer 065-003, 2024 (Abgrenzung zur Claudicatio intermittens).
  7. Deutsche Wirbelsäulengesellschaft: S3-Leitlinie Epidurale Injektionen bei degenerativen Erkrankungen, AWMF-Registernummer 151-005, 2025.
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren (Zm-RL), Eingriffe an der Wirbelsäule, in Kraft seit November 2021.

Medizinisch geprüft von Eyad Al-Kahlout · 14. September 2026

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