Am Anfang jeder Behandlung steht die Frage, woher die Beschwerden kommen. Sie wird nicht von einem Gerät beantwortet, sondern im Gespräch und bei der Untersuchung — und erst danach, wenn nötig, durch ein Bild. Diese Seite beschreibt, wie wir vorgehen, welche Untersuchungen es gibt, wann sie sinnvoll sind und wann nicht, und was davon in unserer Praxis stattfindet und was auswärts.
Ein Bild beantwortet eine Frage, es stellt sie nicht. Wer ohne Fragestellung untersucht, findet Veränderungen, die fast jeder Mensch in diesem Alter hat — und macht aus Beschwerden, die vergangen wären, eine Diagnose, die bleibt.
Wann eine Abklärung sinnvoll ist
Nicht jeder Rückenschmerz braucht eine fachärztliche Untersuchung. Sinnvoll wird sie, wenn eines der folgenden Merkmale zutrifft.
- Der Schmerz zieht ins Bein oder in den Arm — entlang eines Streifens, oft mit Kribbeln oder Taubheit. Das spricht für eine gereizte Nervenwurzel und lässt sich durch die Untersuchung meist einer Höhe zuordnen.
- Kraft oder Gefühl haben nachgelassen — eine Schwäche beim Anheben von Fuß oder Zehen, ein unsicherer Gang, eine ungeschickte Hand. Das gehört zeitnah untersucht.
- Die Beschwerden bleiben — wenn sie nach mehreren Wochen trotz Behandlung nicht deutlich besser werden oder immer wiederkehren.
- Die Gehstrecke wird kürzer — schwere, müde Beine nach einer gewissen Strecke, die sich im Sitzen oder Vorbeugen erholen.
- Ein Befund wirft Fragen auf — ein MRT-Befund, den Ihnen niemand in Ruhe erklärt hat, oder eine Operationsempfehlung, bei der Sie unsicher sind.
- Warnzeichen — Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte, ein Sturz bei bekannter Osteoporose oder nächtlicher Ruheschmerz. Und sofort bei Taubheit im Dammbereich, neuer Blasen- oder Darmstörung oder zunehmender Lähmung.
Eine Überweisung brauchen Sie nicht. Sinnvoll ist sie, weil sie uns die Vorgeschichte mitliefert. Kommen Sie auch dann, wenn Sie kein Bild und keine Vorbefunde haben.
Was passiert genau?
- Das GesprächEs trägt am meisten zur Diagnose bei. Seit wann bestehen die Beschwerden, wie haben sie begonnen, wo genau sitzen sie, ziehen sie aus und bis wohin? Was verschlimmert sie — Sitzen, Stehen, Gehen, Vorbeugen, Rückbeugen, Husten, die Nacht? Was lindert? Gibt es Kribbeln, Taubheit, Schwäche, Störungen beim Wasserlassen? Dazu Vorerkrankungen, Voroperationen, Medikamente, Beruf und die Frage, was im Alltag nicht mehr geht.
- Die UntersuchungHaltung, Beweglichkeit, Klopf- und Druckschmerz über den Wirbeln. Dann der neurologische Teil: Kraft einzelner Muskelgruppen, Reflexe, Gefühl in den typischen Hautbezirken, Dehnungszeichen der Nerven, Gangbild, Zehen- und Fersenstand, Koordination. Bei Verdacht auf eine Bedrängung des Rückenmarks zusätzlich die Zeichen, die dafür sprechen. Belastungstests für Kreuz-Darmbein-Gelenk, Wirbelgelenke und Hüfte grenzen die Nachbarn ab. Aus Gespräch und Untersuchung ergibt sich in den allermeisten Fällen eine klare Richtung, bevor ein Bild vorliegt.
- Einordnung und BefundbesprechungVorhandene Aufnahmen sehen wir uns selbst an, nicht nur den schriftlichen Befund. Entscheidend ist, ob das Bild zu den Beschwerden und zur Untersuchung passt — dieselbe Höhe, dieselbe Seite, derselbe Nerv. Passt es nicht zusammen, ist der Befund nicht die Erklärung. Am Ende steht eine verständliche Auskunft darüber, was wir gefunden haben, was es bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt.
Wann ein Bild hilft — und wann es schadet
Bildgebung ist kein erster Schritt, sondern die Antwort auf eine konkrete Frage. Die Nationale VersorgungsLeitlinie rät bei akutem Kreuzschmerz ohne Warnzeichen von Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen ab; sinnvoll werden sie bei Warnzeichen, bei Ausfällen am Nerv und wenn die Beschwerden nach vier bis sechs Wochen trotz Behandlung bestehen bleiben.
Der Grund ist nicht Sparsamkeit, sondern die Häufigkeit von Zufallsbefunden. Eine Auswertung von Untersuchungen an Menschen ohne jede Rückenbeschwerde fand Verschleißzeichen der Bandscheiben bei 37 von 100 der 20-Jährigen und bei 96 von 100 der 80-Jährigen. Vorwölbungen, Höhenminderungen und abgenutzte Wirbelgelenke sind demnach eher ein Merkmal des Lebensalters als eine Krankheit. Ein solcher Befund erklärt Beschwerden nur, wenn er zu ihnen passt — und er kann Schaden anrichten, wenn er ohne Zusammenhang mitgeteilt wird und aus einem beweglichen Menschen einen vorsichtigen macht.
Die Verfahren im Einzelnen
- Röntgen — zeigt Knochen, Stellung und Höhe der Bandscheibenfächer. Sinnvoll bei Verdacht auf einen Bruch, bei Fehlstellungen und zur Kontrolle nach einer Operation. Weichteile, Nerven und Bandscheibengewebe sind nicht zu beurteilen.
- Funktionsaufnahmen — Röntgenbilder in maximaler Vor- und Rückbeugung. Sie sind die Untersuchung der Wahl bei Verdacht auf eine Instabilität, etwa bei einem Wirbelgleiten: Erst der Vergleich beider Aufnahmen zeigt, ob sich ein Wirbel unter Bewegung verschiebt.
- MRT — die wichtigste Untersuchung an der Wirbelsäule. Sie zeigt Bandscheiben, Nervenwurzeln, Rückenmark, Bänder, Entzündungen und Knochenmarksveränderungen, ganz ohne Röntgenstrahlen. Ein frischer Wirbelbruch lässt sich von einem alten unterscheiden, weil das Knochenmarksödem sichtbar wird.
- CT — die genaueste Darstellung des Knochens. Sinnvoll bei Brüchen, zur Beurteilung knöcherner Engen, zur Planung von Schrauben und wenn ein MRT nicht möglich ist. Es ist mit einer Strahlenbelastung verbunden.
- Knochendichtemessung — bei einem Wirbelbruch ohne angemessene Gewalteinwirkung, bei Größenverlust oder nach längerer Kortisonbehandlung. Sie klärt, ob eine Osteoporose vorliegt, die unabhängig vom Bruch behandelt werden muss.
- Elektrophysiologie — Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Ableitung der Muskelaktivität. Sie kommt in Betracht, wenn Beschwerden und Bild nicht zusammenpassen, wenn mehrere Höhen in Frage kommen oder wenn eine Schädigung der Nerven außerhalb der Wirbelsäule abzugrenzen ist, etwa ein Karpaltunnelsyndrom oder eine Polyneuropathie.
- Blutuntersuchungen — bei Verdacht auf eine Entzündung, eine rheumatische Erkrankung oder einen Tumor. Bei unauffälligem Rückenschmerz bringen sie nichts.
- Diagnostische Infiltration — ein örtliches Betäubungsmittel wird unter Bildkontrolle gezielt an eine Struktur gebracht: an eine Nervenwurzel, an ein Wirbelgelenk oder in das Kreuz-Darmbein-Gelenk. Lässt der Schmerz für die Wirkdauer deutlich nach, spricht das für diese Struktur als Quelle. Der Test kann täuschen und wird vor weitreichenden Entscheidungen wiederholt; er ist ein Baustein, kein Beweis.
Was bei uns stattfindet — und was auswärts
In unserer Praxis finden das ausführliche Gespräch, die körperliche und neurologische Untersuchung, die Durchsicht und Besprechung Ihrer Aufnahmen und Vorbefunde sowie die Einordnung statt: welche Ursache wahrscheinlich ist, was das für Sie bedeutet und welche Behandlung dazu passt. Die periradikuläre Therapie an der Nervenwurzel führen wir in einem eigenen Raum in der Praxis durch; sie wirkt zugleich als Test, weil ihre Wirkung zeigt, ob die behandelte Wurzel tatsächlich die Schmerzquelle ist.
Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen sowie die Knochendichtemessung werden in radiologischen Praxen angefertigt, elektrophysiologische Messungen in neurologischen Praxen. Wenn eine dieser Untersuchungen nötig ist, sagen wir Ihnen, welche Frage sie beantworten soll — und wir besprechen das Ergebnis anschließend mit Ihnen. Bringen Sie die Aufnahmen bitte auf Datenträger mit, nicht nur den schriftlichen Befund: Der Bericht ersetzt die Bilder nicht.
Grenzen und Risiken
Röntgen und CT sind mit einer Strahlenbelastung verbunden und werden deshalb nur bei klarer Fragestellung eingesetzt. Beim MRT gibt es keine Strahlung, aber es dauert länger, ist laut und für Menschen mit Platzangst unangenehm; Herzschrittmacher, bestimmte Implantate und Metallsplitter müssen vorher abgeklärt werden. Kontrastmittel wird nur bei bestimmten Fragen gegeben, etwa nach einer Operation oder bei Verdacht auf Entzündung oder Tumor, und setzt Nierenwerte und die Frage nach Unverträglichkeiten voraus. Bei einer Infiltration bestehen die üblichen Risiken einer Injektion.
Die größere Grenze ist grundsätzlicher Art: Bei einem erheblichen Teil der Rückenschmerzen lässt sich keine einzelne Struktur benennen, die den Schmerz erklärt. Das ist kein Versagen der Diagnostik, sondern das erwartbare Ergebnis — und eine gute Nachricht, weil der Verlauf dann meist günstig ist. Mehr dazu auf der Seite Rückenschmerzen.
Vorher und nachher
Vor dem Termin: Bringen Sie vorhandene Aufnahmen auf CD oder Datenträger mit, dazu Arztbriefe, Operationsberichte, Berichte über frühere Spritzen und deren Wirkung sowie eine vollständige Medikamentenliste. Tragen Sie Kleidung, in der Sie sich rasch untersuchen lassen können. Hilfreich sind Notizen zu Verlauf und Auslösern — wann es begann, was es verschlimmert, was nicht mehr geht. Wenn Sie möchten, bringen Sie jemanden mit; vier Ohren behalten mehr.
Nach dem Termin: Sie sollten drei Dinge mitnehmen können — was wir gefunden haben, was es bedeutet und wie es weitergeht, mit einer Reihenfolge und einem Zeitpunkt für die nächste Überprüfung. Wenn eine Untersuchung veranlasst wurde, gehört die Besprechung des Ergebnisses dazu. Und Sie sollten wissen, bei welchen Zeichen Sie sich früher melden: neue oder zunehmende Schwäche, neue Taubheit im Dammbereich, Störungen beim Wasserlassen, Fieber.
Häufige Fragen
Bekomme ich beim ersten Termin ein MRT?
Nur, wenn es eine Frage gibt, die es beantworten kann. Bei Warnzeichen, bei Ausfällen am Nerv und bei Beschwerden, die trotz Behandlung bestehen bleiben, ist es sinnvoll. Bei frischem Rückenschmerz ohne solche Hinweise ändert es die Behandlung in der Regel nicht.
Mein Befund klingt dramatisch. Ist das schlimm?
Befundtexte beschreiben jede Abweichung von einem idealen Zustand, auch die, die alterstypisch und harmlos sind. Entscheidend ist, ob der Befund zu Ihren Beschwerden passt. Wir gehen ihn mit Ihnen durch; eine Übersetzung der häufigsten Begriffe finden Sie auf der Seite MRT-Befund verstehen.
Reicht der schriftliche Befund, oder brauchen Sie die Bilder?
Wir brauchen die Bilder. Der Bericht ist eine Beschreibung; für die Zuordnung zu Ihren Beschwerden zählt, was auf welcher Höhe und auf welcher Seite zu sehen ist. Fragen Sie in der radiologischen Praxis nach einem Datenträger.
Wie alt darf eine Aufnahme sein?
Das hängt davon ab, ob sich die Beschwerden seither verändert haben. Ein Bild, das zum heutigen Beschwerdebild passt, bleibt brauchbar; haben sich Ort, Charakter oder Ausstrahlung geändert oder sind neue Ausfälle hinzugekommen, ist eine neue Aufnahme zu erwägen. Bringen Sie ältere Aufnahmen trotzdem mit — der Vergleich über die Zeit ist oft aussagekräftiger als ein einzelnes Bild.
Kann man im Bild sehen, ob eine Operation nötig ist?
Nein. Operiert werden Beschwerden, nicht Bilder. Eine deutliche Enge ohne passende Beschwerden wird nicht operiert, und umgekehrt kann ein kleiner Befund an der richtigen Stelle erhebliche Ausfälle machen. Die Entscheidung entsteht aus der Zusammenschau.
Warum dauert das Gespräch so lange?
Weil es der Teil der Diagnostik mit dem größten Ertrag ist. Zeitpunkt, Verlauf, Auslöser und Begleitsymptome grenzen die möglichen Ursachen stärker ein als jede Einzeluntersuchung — und sie entscheiden darüber, welche Untersuchung überhaupt sinnvoll ist.
Wenn Ihnen andernorts zu einer Operation geraten wurde, können Sie bei uns eine Zweitmeinung einholen. Wir sehen uns Ihre Bilder an, untersuchen Sie und sagen Ihnen offen, ob wir die Empfehlung teilen — und was passiert, wenn Sie zunächst abwarten. Was Sie mitbringen sollten, steht auf der Seite Ihr erster Termin.