„Osteoporose“ bedeutet nicht, dass der Rücken bricht, sobald man sich bückt. Es bedeutet, dass der Knochen an Substanz verloren hat und Belastungen schlechter verträgt, die er früher ausgehalten hat. An der Wirbelsäule zeigt sich das oft zuerst — nicht als Schmerz, sondern als ein Wirbelkörper, der still nachgibt. Diese Seite erklärt, was Osteoporose mit der Wirbelsäule macht, woran man einen Wirbelbruch erkennt, wie die Diagnose gestellt wird und was — neben Medikamenten — die Wirbelsäule schützt.
Osteoporose selbst tut nicht weh. Sie wird an der Wirbelsäule erst spürbar, wenn ein Wirbelkörper nachgibt. Wer sein Risiko kennt, kann den ersten Bruch oft verhindern — und nach einem ersten Bruch den zweiten.
Was ist das?
Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Knochen wird ständig umgebaut: Alte Substanz wird abgebaut, neue aufgebaut. Überwiegt über Jahre der Abbau, verliert der Knochen an Masse und an innerer Struktur — die feinen Bälkchen im Inneren werden dünner und reißen ab. Der Knochen sieht von außen unverändert aus, ist aber poröser und bricht bei Belastungen, die ein gesunder Knochen trägt. Die Wirbelkörper sind besonders anfällig, weil sie zu großen Teilen aus diesem schwammartigen Innenknochen bestehen. Bei fortgeschrittener Osteoporose genügt das Anheben einer Einkaufstasche, ein kräftiger Hustenstoß oder ein Stolpern, damit ein Wirbelkörper zusammensintert — meist am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule, wo die Belastung am größten ist.
Wie häufig das ist, zeigen Zahlen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Im Alter von 70 Jahren haben etwa 10 von 100 Männern und 20 von 100 Frauen die Diagnose Osteoporose; Frauen sind ungefähr doppelt so oft betroffen wie Männer. Von allen Knochen brechen die Wirbelkörper am häufigsten — und etwa zwei Drittel dieser Wirbelbrüche bleiben unbemerkt, weil sie wenig oder gar keine Beschwerden machen. Sie fallen erst auf, wenn jemand kleiner geworden ist oder ein Röntgenbild aus anderem Anlass einen verformten Wirbel zeigt.
Welche Beschwerden treten auf?
Solange kein Knochen gebrochen ist: keine. Osteoporose macht keine Gelenkschmerzen, keine Müdigkeit und kein Ziehen im Rücken. Das ist der Grund, warum sie so oft erst nach dem ersten Bruch erkannt wird. Bricht ein Wirbelkörper, gibt es zwei Verläufe. Der eine ist deutlich: ein plötzlicher, tief sitzender Rückenschmerz, oft nach einer banalen Belastung, der beim Stehen, Gehen und Aufrichten stärker wird und im Liegen nachlässt; die betroffene Stelle ist klopf- und druckempfindlich, der Schmerz kann gürtelförmig entlang der Rippen oder in Gesäß und Leiste ausstrahlen. Der andere Verlauf ist leise: Der Wirbel sintert über Wochen, der Rücken wird runder, die Körpergröße nimmt ab, Kleidung sitzt anders, der Bauch wölbt sich vor, weil der Rumpf kürzer wird, und der Rücken schmerzt dumpf beim längeren Stehen.
Nerven sind bei osteoporotischen Wirbelbrüchen selten beteiligt: Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie beziffert frakturbedingte neurologische Ausfälle mit etwa 2,5 von 100 Betroffenen. Was im Einzelnen zu einem Wirbelbruch gehört — Diagnose, Behandlung ohne und mit Operation —, steht auf der Seite Wirbelkörperbruch. Hier geht es um die Erkrankung dahinter.
Ursachen
Ab dem mittleren Lebensalter verliert jeder Mensch Knochenmasse; bei Frauen beschleunigt sich das nach den Wechseljahren, weil das Östrogen fehlt, das den Knochenabbau bremst. Ob daraus eine Osteoporose wird, hängt von der Ausgangsmasse ab, die man in jungen Jahren aufgebaut hat, und von Faktoren, die den Abbau beschleunigen. Die DVO-Leitlinie fasst die wichtigsten zusammen: höheres Alter, weibliches Geschlecht, ein bereits erlittener Knochenbruch nach geringer Belastung — der stärkste einzelne Hinweis —, ein Oberschenkelhalsbruch bei Vater oder Mutter, geringes Körpergewicht, Rauchen, viel Alkohol, Bewegungsmangel, häufige Stürze und ein Mangel an Kalzium und Vitamin D.
Dazu kommen Krankheiten und Medikamente, die den Knochen angreifen: eine Behandlung mit Kortisontabletten über Monate, rheumatische Entzündungen, Diabetes, eine Überfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüsen, chronische Nieren- oder Darmerkrankungen, antihormonelle Therapien bei Brust- oder Prostatakrebs. Bei Männern und bei jüngeren Menschen steckt hinter einer Osteoporose häufiger eine solche zweite Ursache, nach der gezielt gesucht werden muss. Von den Risikofaktoren sind mehrere beeinflussbar: Untergewicht, Kalziummangel, Vitamin-D-Mangel, Bewegungsmangel, Rauchen, starker Alkoholkonsum und — soweit sie sich vermeiden oder verkürzen lässt — eine längere Kortisonbehandlung.
Wie wird es festgestellt?
Am Anfang steht das Gespräch über die genannten Risikofaktoren, frühere Brüche und Medikamente. Bei der Untersuchung messen wir die Körpergröße und vergleichen sie mit der Größe, die Sie aus jüngeren Jahren kennen, prüfen die Rundung des Rückens und klopfen die Dornfortsätze ab. Die Knochendichte wird mit einer Knochendichtemessung (DXA) an der Lendenwirbelsäule und an beiden Hüften bestimmt. Das Ergebnis ist der T-Score, ein Vergleich mit dem Knochen junger gesunder Erwachsener: bis −1 normal, zwischen −1 und −2,5 vermindert (Osteopenie), bei −2,5 und darunter Osteoporose. Die DVO-Leitlinie von 2023 rechnet aus Knochendichte, Alter, Geschlecht und den Risikofaktoren das Risiko aus, in den nächsten drei Jahren einen Wirbelkörper- oder Oberschenkelhalsbruch zu erleiden — und an diesem Risiko, nicht allein am T-Score, richtet sich die Behandlung aus.
Die Wirbelsäule selbst wird geröntgt, wenn ein neuer Rückenschmerz ab dem mittleren Lebensalter, ein Größenverlust oder ein zunehmender Rundrücken auf einen Wirbelbruch hinweisen — Brust- und Lendenwirbelsäule in zwei Ebenen, wenn möglich im Stehen. Ob ein Bruch frisch ist, zeigt das Röntgenbild nicht; das kann eine Kernspintomografie, in der ein frischer Bruch ein Knochenödem zeigt, während ein alter Bruch „ruhig“ ist. Die Kernspintomografie unterscheidet außerdem einen osteoporotischen Bruch von einem Bruch durch Tumor oder Metastase — eine Frage, die bei jedem Wirbelbruch ohne Unfall gestellt werden muss. Eine Computertomografie zeigt die Hinterkante des Wirbels und Bruchstücke am Wirbelkanal. Dazu gehört eine Blutuntersuchung, die andere Ursachen aufdeckt: Kalzium, Vitamin D, Nieren- und Schilddrüsenwerte, Eiweiße, die auf eine Erkrankung des Knochenmarks hinweisen. Was die Begriffe im Bericht bedeuten, erklärt die Seite MRT-Befund verstehen.
Warnzeichen
Osteoporose ist kein Notfall, ein Wirbelbruch nur selten. Ausnahmen: ein neuer starker Rückenschmerz nach einem Sturz, der mit Schwäche in den Beinen, Taubheit im Bereich von Gesäß und Damm oder einer Störung beim Wasserlassen oder Stuhlgang einhergeht — dann gehört die Untersuchung noch am selben Tag in eine Notaufnahme. Innerhalb weniger Tage abklären lassen sollten Sie einen neuen Rückenschmerz bei bekannter Krebserkrankung, Rückenschmerzen mit Fieber und einen Schmerz, der auch im Liegen und nachts nicht nachlässt. Alles Weitere auf der Seite Warnzeichen.
Behandlung ohne Operation
Die Behandlung der Osteoporose ist keine chirurgische. Ihr Ziel ist, den nächsten Bruch zu verhindern, und sie ruht auf vier Säulen, von denen keine die anderen ersetzt.
- Bewegung und Krafttraining — Knochen baut sich nur dort auf, wo er belastet wird. Kräftigung der Rückenstrecker und der Rumpfmuskulatur, Gehen, Treppen, Gleichgewichtsübungen. Gezieltes Training hält die Knochen stabil, stärkt die Muskulatur und schult das Gleichgewicht — und senkt damit das Sturzrisiko. Zu vermeiden sind ruckartiges Vorbeugen unter Last und Sportarten mit Sturzgefahr, solange die Knochendichte deutlich vermindert ist.
- Kalzium und Vitamin D — die DVO-Leitlinie empfiehlt eine Kalziumzufuhr von mindestens 1000 mg täglich, möglichst über die Ernährung, und Vitamin D in einer Dosis von mindestens 800 Einheiten täglich, wenn die Versorgung über Sonne und Nahrung nicht ausreicht.
- Stürze vermeiden — Sehhilfe prüfen, Stolperfallen in der Wohnung beseitigen, festes Schuhwerk, Medikamente durchsehen, die schwindlig oder müde machen, und Kraft und Gleichgewicht trainieren. Viele Wirbel- und Hüftbrüche sind Sturzfolgen.
- Medikamente — nach der DVO-Leitlinie kommt eine medikamentöse Behandlung in Betracht, wenn das berechnete Risiko für einen Wirbelkörper- oder Oberschenkelhalsbruch in den nächsten drei Jahren 3 Prozent oder mehr beträgt, und wird ab 5 Prozent empfohlen. Zwischen 5 und 10 Prozent kann, ab 10 Prozent soll zunächst ein Medikament eingesetzt werden, das Knochen aufbaut, gefolgt von einem, das den Abbau bremst. Zu den Wirkstoffgruppen gehören Bisphosphonate, Denosumab und Raloxifen als Bremsen des Abbaus sowie Teriparatid und Romosozumab als Aufbauwirkstoffe. Ein frischer Wirbelbruch nach geringer Belastung zeigt in aller Regel ein hohes Risiko an. Auswahl, Verordnung und Überwachung dieser Medikamente gehören in die Hausarztpraxis oder eine osteologisch spezialisierte Praxis; wir besprechen mit Ihnen, welche Befunde an der Wirbelsäule dafür wichtig sind, und geben sie weiter.
Ist bereits ein Wirbel gebrochen, kommt die Behandlung des Bruchs hinzu: Schmerzmittel, die frühes Aufstehen erlauben, Physiotherapie und Kontrollaufnahmen. Was dazu gehört und wann Zement in den Wirbel gespritzt wird, steht auf der Seite Wirbelkörperbruch.
Wann eine Operation erwogen wird
Die Osteoporose selbst wird nie operiert. Ein Eingriff kommt nur bei einem Wirbelbruch in Betracht — und auch dann nur, wenn der Bruch trotz Schmerzbehandlung so weh tut, dass Aufstehen und Gehen nicht möglich sind, wenn er in den Kontrollaufnahmen weiter zusammensintert, wenn er instabil ist oder wenn er Nerven bedrängt. Die DGOU/DWG-Leitlinie stellt für diese Entscheidung einen Punktwert bereit, den OF-Score, in den die Bruchform, die Knochendichte, der Schmerz unter Medikamenten, die Fähigkeit aufzustehen, neurologische Ausfälle und der Allgemeinzustand eingehen. Der Score ist eine Hilfe, kein Automatismus: Die Hausärztliche Fachgesellschaft hat in der Leitlinie ausdrücklich festgehalten, dass eine Operationsempfehlung nicht allein an einer Punktzahl hängen darf.
Osteoporose spielt außerdem bei jeder anderen Wirbelsäulenoperation eine Rolle: Schrauben halten in porösem Knochen schlechter. Deshalb wird vor einer geplanten Versteifung die Knochenqualität eingeschätzt — in der Computertomografie oder durch eine Knochendichtemessung —, und bei verminderter Knochenqualität können Schrauben zusätzlich mit Knochenzement verankert werden. Wer weiß, dass er eine Osteoporose hat, sollte das vor jedem Eingriff an der Wirbelsäule ansprechen.
Operative Möglichkeiten
Für einen schmerzhaften, frischen osteoporotischen Wirbelbruch, der ohne Operation nicht beherrschbar ist, führen wir die Kyphoplastie durch: Über eine Nadel wird der eingesunkene Wirbelkörper unter Röntgenkontrolle mit einem Ballon aufgerichtet und von innen mit Knochenzement stabilisiert. Ist der Bruch instabil oder hat er die Hinterkante des Wirbels zerstört, kommt eine Stabilisierung mit Schrauben und Stäben in Betracht — die Spondylodese —, bei Druck auf Nerven oder Rückenmark verbunden mit einer Dekompression. Beides gehört zu den Eingriffen, die wir durchführen. Ablauf, Risiken und Nachbehandlung dieser Eingriffe beschreibt die Seite Wirbelkörperbruch. Was nach einem osteoporotischen Bruch unabhängig vom Eingriff geschehen sollte, fasst der folgende Ablauf zusammen:
- Bruch einordnenRöntgen im Stehen, Kernspintomografie zur Frage frisch oder alt und zum Ausschluss eines Tumors, bei Bedarf Computertomografie. Untersuchung von Kraft, Gefühl und Reflexen. Daraus ergibt sich, ob der Bruch stabil ist und ob er ohne Operation behandelt werden kann — bei den meisten ist das der Fall.
- Osteoporose abklärenKnochendichtemessung an Lendenwirbelsäule und Hüften, Blutwerte zum Ausschluss anderer Ursachen, Erhebung der Risikofaktoren und Berechnung des Bruchrisikos nach der DVO-Leitlinie. Ein Wirbelbruch ohne Unfall ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Hinweis auf Osteoporose.
- Nächsten Bruch verhindernBewegung, Kalzium, Vitamin D, Sturzvorbeugung und — bei entsprechendem Risiko — eine medikamentöse Behandlung, verordnet und überwacht in der Hausarztpraxis oder einer osteologischen Schwerpunktpraxis. Körpergröße einmal jährlich messen, Kontrollaufnahmen nach Absprache.
Wie es weitergeht
Osteoporose ist eine Erkrankung auf Dauer, aber eine, die sich beeinflussen lässt. Ein gebrochener Wirbel gewinnt seine alte Form nicht zurück; die Verformung bleibt, der Schmerz vergeht in den meisten Fällen innerhalb von Wochen. Der wichtigste Vorhersagewert für einen weiteren Bruch ist der erste — deshalb beginnt die eigentliche Behandlung, wenn der akute Schmerz abklingt. Was Sie selbst tun können: die Rückenstrecker und die Rumpfmuskulatur dauerhaft trainieren, täglich gehen, beim Heben in die Knie gehen statt den Rücken zu beugen, Stürze vermeiden, nicht rauchen, Kalzium über die Ernährung decken und verordnete Medikamente nicht eigenmächtig absetzen. Messen Sie einmal im Jahr Ihre Körpergröße. Ein Verlust von mehreren Zentimetern oder ein neuer, plötzlich einsetzender Rückenschmerz ist ein Grund, sich zu melden.
Häufige Fragen
Darf ich mit Osteoporose Sport treiben?
Sie sollen sogar. Krafttraining, Gehen, Treppensteigen, Tanzen und Gleichgewichtsübungen belasten den Knochen so, wie er es braucht, und senken das Sturzrisiko. Vermeiden sollten Sie ruckartiges Vorbeugen und Drehen unter Last sowie Sportarten mit hoher Sturzgefahr, solange die Knochendichte deutlich vermindert ist. Welche Übungen zu Ihnen passen, klären Sie am besten mit einer Physiotherapiepraxis, die Erfahrung mit Osteoporose hat.
Was bedeutet ein T-Score von −2,8?
Dass die Knochendichte an der gemessenen Stelle im Bereich der Osteoporose liegt — ab −2,5 und darunter. Der T-Score allein entscheidet aber nicht über die Behandlung; nach der DVO-Leitlinie zählt das berechnete Bruchrisiko, in das Alter, Geschlecht, frühere Brüche und weitere Faktoren eingehen.
Muss jeder osteoporotische Wirbelbruch mit Zement stabilisiert werden?
Nein. Die meisten heilen mit Schmerzmitteln, früher Bewegung und Physiotherapie innerhalb von Wochen. Eine Kyphoplastie wird erwogen, wenn der Schmerz trotz Medikamenten das Aufstehen verhindert oder der Wirbel weiter zusammensintert. Näheres auf der Seite Wirbelkörperbruch.
Wie lange muss ich Osteoporose-Medikamente nehmen?
Das legt die Praxis fest, die sie verordnet, und es hängt vom Wirkstoff ab. Für Bisphosphonate nennt das IQWiG eine Behandlungsdauer von etwa drei bis fünf Jahren; danach wird geprüft, ob weiterbehandelt oder pausiert wird. Setzen Sie ein solches Medikament nicht ohne Rücksprache ab — bei einigen Wirkstoffen steigt nach dem Absetzen das Bruchrisiko vorübergehend an.
Was soll ich zum ersten Termin mitbringen?
Den Befund der Knochendichtemessung, Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen der Wirbelsäule auf CD samt Berichten, Ihre Medikamentenliste — besonders Kortison, Schilddrüsen- und Hormonpräparate — und, wenn bekannt, Ihre Körpergröße in jüngeren Jahren. Alles Weitere steht auf der Seite Ihr erster Termin.